Was ist Prokrastination?
Das ständige Aufschieben von Aufgaben, sodass sie entweder gar nicht oder nur unter immensem Druck erledigt werden, wird oft als Aufschieberitis oder Prokrastination bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “vertagen” oder “auf morgen verschieben”.
Das Gegenteil vom Aufschieben ist das unmittelbare Erledigen von Aufgaben ohne Verzögerung.
Warum ist Prokrastination ein wichtiges Thema?
Prokrastination ist kein modernes Phänomen – schon der römische Philosoph Cicero beschäftigte sich mit diesem Thema. Besonders in den letzten Jahrzehnten hat die Wissenschaft vermehrt untersucht, welche Ursachen und Folgen das Aufschieben hat. Studien zeigen, dass 20-25 % der Weltbevölkerung regelmäßig prokrastiniert. Besonders betroffen sind Studierende, von denen bis zu 70 % immer wieder Aufgaben hinauszögern.
Auswirkungen
Das Aufschieben kann harmlos sein, aber in manchen Fällen auch zu ernsthaften Problemen führen:
- Schlechtere Leistungen: Studierende, die häufig prokrastinieren, haben oft schlechtere Noten.
- Erhöhter Stress: Das ständige Aufschieben kann zu erhöhtem Druck führen.
- Psychische Belastung: Langfristige Prokrastination kann mit Angststörungen oder Depressionen einhergehen.
Woran erkennt man Prokrastination?
Menschen, die prokrastinieren, zeigen oft folgende Anzeichen:
- Unrealistische Zielsetzungen
- Mangelnde Zeitplanung
- Fehlende Prioritätensetzung
- Ständige Ablenkung durch Handy, TV oder soziale Medien
- Unklare oder nicht definierte Deadlines

Ursachen des Aufschiebens
Die Hauptgründe für das Aufschieben sind:
Die Aufgabe erscheint zu groß: Dadurch wird sie als nicht bewältigbar wahrgenommen.
Fehlende Motivation: Oft wird das kurzfristige Belohnungssystem aktiviert, statt langfristige Ziele zu verfolgen.
Angst vor dem Scheitern: Besonders der “Vermeidungsaufschieber” schiebt Aufgaben aus Angst vor Kritik oder Versagen auf.
Psychologische Erklärung: “Jetzt-Ich” vs. “Zukunfts-Ich”
Laut dem Psychologen Hal Hershfield sehen viele Menschen ihr Zukunfts-Ich als eine fremde Person. Entscheidungen im Hier und Jetzt scheinen keine Auswirkungen auf die Zukunft zu haben, was dazu führt, dass man unangenehme Aufgaben immer weiter hinausschiebt.

Arten des Aufschiebens
Je nach Ursache gibt es verschiedene Formen:
- Pathologische Prokrastination: Stark ausgeprägte Form, oft in Verbindung mit Depressionen oder ADHS.
- Administrative Prokrastination: Aufschieben von behördlichen oder finanziellen Angelegenheiten.
- Akademische Prokrastination: Besonders unter Studierenden verbreitet.
- Funktionale Prokrastination: Betroffene warten, bis sie sich in der richtigen Stimmung befinden, um zu handeln.

Wann wird das Aufschieben problematisch?
Prokrastination wird dann problematisch, wenn:
- Privat- oder Berufsleben stark beeinträchtigt sind
- Ein hoher Leidensdruck entsteht
- Permanente negative Folgen, wie finanzielle oder gesundheitliche Probleme, auftreten
Sollte dies der Fall sein, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe durch Coaching oder Psychotherapie in Anspruch zu nehmen.
Tipps gegen das Aufschieben
Falls du Prokrastination in den Griff bekommen möchtest, helfen folgende Methoden:
1. Starte sofort
Beginne innerhalb der ersten 72 Stunden, sonst sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass du die Aufgabe jemals anpackst, auf unter 1 %.
2. Plane genügend Zeit ein
Unterschätze nicht, wie lange eine Aufgabe dauert, um Zeitdruck zu vermeiden. Ein paar Zeitmanagement-Tipps findest du auch in unserem Blogartikel Zeitmanagement – Werde produktiver mit diesen Methoden!
3. Setze klare Prioritäten
Erstelle eine To-Do-Liste für den nächsten Tag, um eine strukturierte Reihenfolge festzulegen.
4. Nutze die Pomodoro-Technik
Arbeite 25 Minuten konzentriert, dann mache eine 5-minütige Pause. Diese Technik hilft, den Fokus zu behalten.
5. Teile große Aufgaben in kleine Schritte auf
Je kleiner eine Aufgabe ist, desto wahrscheinlicher wirst du sie direkt umsetzen.
6. Setze eine frühere Deadline
Unser Gehirn gewöhnt sich an oft gedachte Gedanken. Setze dir eine frühere Deadline, um dich selbst zu überlisten.

