Wer war Gregory Bateson?
Der angloamerikanische Sozialwissenschaftler, Anthropologe, Biologe, Kybernetiker und Philosoph Gregory Bateson lebte von 1904 bis 1980. In seiner Lebenszeit widmete er sich vor allem der Naturphilosophie, der Ökologie, der Linguistik, sowie der Erkenntnistheorie und der Erforschung von Kommunikation und Lernen. So wie Paul Watzlawick hatte auch Gregory Bateson einen relevanten Einfluss auf die systemische Familientherapie und das Coaching.
Gregory Bateson zeichnete sich durch ein breites Spektrum an Interessen aus und betrieb Forschung in mehreren Fachgebieten. Dies war ihm möglich, weil er diese Bereiche nicht als isolierte Disziplinen betrachtete, sondern als miteinander verbundene Aspekte eines größeren Erkenntniszusammenhangs. Durch seine systemisch-kybernetische Denkweise gelang es ihm, Wissen verschiedener Fachbereiche zu verknüpfen und daraus neue theoretische Erkenntnisse zu schöpfen.
Einflüsse und Prägungen von Gregory Bateson
In seiner Forschung und Arbeit stütze sich Gregory Bateson u.a. auf die Lehren von:
- Platon (Philosophie)
- Sigmund Freud (Psychologie)
- Carl Gustav Jung (Psychologie)
- Bertrand Russell (Typentheorie)
- Norbert Wiener (Kybernetik)
- Warren McCulloch (Kybernetik)
- John von Neumann (Kybernetik)
- Claude Shannon (Informationstheorie)
Kommunikationstheorie nach Gregory Bateson
Gregory Bateson zählt heute, wie auch Vera Birkenbihl, Paul Watzlawick, Friedmann Schulz von Thun, Virginia Satir und Marshall Rosenberg, zu unseren Legenden der Kommunikation. Das liegt vor allem daran, dass er gemeinsam mit dem amerikanischen Psychiater Jurgen Ruesch eine neue Kommunikationstheorie aufstellte. Diese Theorie veröffentlichten die beiden 1951 in ihrem Werk Kommunikation: Die soziale Matrix der Psychiatrie. Der Fokus seiner Studien lag hier allem voran auf der Kommunikation zwischen Mensch, Tier sowie Maschine. Ein Jahr später arbeitete Bateson mit Don D. Jackson, John H. Weakland und Jay Haley am Forschungsprojekt Paradoxien der Abstraktion in der Kommunikation. Hier lag der Fokus auf den psychischen Erkrankungen, die durch Störungen in der Kommunikation hervortreten können. Seine wichtigsten Theorien sowie Erkenntnisse sind hier zusammengefasst.

Die Doppelbindungstheorie (Double-Bind)
Beispielsweise kann hier die Doppelbindungstheorie genannt werden. Diese besagt, dass sogenannte Doppelbotschaften in der Kommunikation auf Dauer psychisch gesundheitsschädigend wirken können. Ein Beispiel für solch eine Doppelbotschaft wäre eine Mutter, die ihrem Kind mit Worten versichert, es zu lieben, mit ihren anderen Kommunikationskanälen (Mimik, Gestik, Haptik, etc.) aber genau das Gegenteil kommuniziert. Wächst das Kind über Jahre hinweg mit dieser Unstimmigkeit in der Kommunikation auf, so besteht laut Batesons Theorie die Möglichkeit, dass es später Probleme dabei hat, kommunizierte Botschaften oder Emotionen richtig zu lesen. Weiters kann es sogar zu gestörten Verhaltensformen führen, die als schizophren gelten. Nichtsdestotrotz wurde der Zusammenhang zwischen Doppelbotschaften (sog. double binds) und der Erkrankung Schizophrenie bis heute nicht wissenschaftlich belegt.
Die Metakommunikation nach Gregory Bateson
Bateson schuf das Modell der Metakommunikation. Dieses bezeichnet die Kommunikation über Kommunikation. Angelehnt an die Arbeit von Wolfgang Metzger, der den Begriff ursprünglich erschuf, unterschied Bateson hierbei zwischen der meta-sprachlichen und der meta-kommunikativen Ebene.
Bei der Metakommunikation, begeben sich die Kommunikationspartner und Kommunikationspartnerinnen alle gleichzeitig mental auf eine höhere Kommunikationsebene. Sie sprechen jetzt nicht mehr als sie selbst, sondern als (nicht involvierte) außenstehende Beobachter. Hierbei wird es ermöglicht, eine gewisse (auch emotionale) Distanz zum (Konflikt-)Thema herzustellen und offen über die Situation, das Kommunikationsverhalten sowie die Kommunikationsmotive zu sprechen.
Heutzutage ist die Metakommunikation aus der allgemeinen Kommunikationstheorie nicht mehr wegzudenken. Zum Einsatz kommt die Metakommunikation sowohl bei Teambuildings als auch bei Supervision und in zahlreichen anderen Bereichen. Sie dient u.a. zur Auflösung von kommunikativen Missverständnissen und wird auch in der interkulturellen Kommunikation sehr häufig angewandt.
Die Bedeutung von Gregory Bateson in der Kommunikationsforschung
Kommunikation und Kontext
Nach Batesons Theorien ist Kommunikation (sowie Handlungen und Zustände) bedeutungslos, wenn denn dazu der Kontext fehlt. Kommunikation, Handlungen und Zustände sind nämlich nicht selbsterklärend. Sie können erst dann wahrhaft begriffen werden, wenn sie in einen Kontext eingebettet und mit Vergleichbarem in Relation gesetzt werden. Daraus schließt sich also: Keine Kommunikation ohne Kontext!
Kommunikationsenergie
Information ist ein Unterschied, der den Unterschied macht.
Gregory Bateson (in Ökologie des Geistes, S.582)
Mit dieser Redewendung macht Gregory Bateson in seinem Werk Ökologie des Geistes (orig.: Ecology of Mind) auf das Prinzip der Kommunikationsenergie aufmerksam. Wie genau dieses funktioniert veranschaulichte er in folgendem Beispiel:
Möchtest du einen Hund verscheuchen, so hast du die Möglichkeit ihn zu treten. Wenn du fest zutrittst und der Hund klein genug ist, so wird er aufgrund (und mit) deiner Energie wegfliegen. Trittst du allerdings etwas weniger stark zu, wird deine Energie nicht ausreichen, um den Hund physisch wegzukicken. Wenn er nun aber den Schwanz einzieht und sich (mit eigener Energie) zurückzieht, so hat deine Energie, seine Energie (kommunikativ) gelenkt. Du hast hier also Kommunikationsenergie eingesetzt.
Lerntheorie nach Gregory Bateson
Inspiriert durch die Hierarchie der Typentheorie vom britischen Philosophen und Mathematikers Betrand Russell hat G. Bateson eine eigene Lerntheorie entwickelt. Diese erstreckt sich von Lernen 0 bis Lernen 4, wobei die einzelnen Stufen aufeinander aufbauen.

Lernen 0
Bei Lernen 0 handelt es sich bei Batesons Theorie um die niedrigste Stufe. Sie basiert auf Reiz und Reaktion. Eine bestimmte Reaktion wird mit einem bestimmten Reiz (Aufnahme starrer Informationen der Natur) verknüpft und erlernt.
Lernen I
Auf die Ebene Lernen 0 folgt die Ebene Lernen I. Diese wird auch “Proto-Lernen” genannt. Hier wird anders als bei Lernen 0 nicht eine Reaktion auf einen bestimmten Reiz, sondern eine Reaktion auf einen bestimmten Kontext erlernt. Der Kontext entsteht hierbei aus den wechselseitigen Klassifizierungen der Reize.
Lernen II
Die nächste Ebene “Lernen II” oder “Deutero-Lernen” baut auf Lernen I auf. Hierbei geht es nämlich um das Lernen des Proto-Lernens. Daraus entwickeln sich Gewohnheiten sowie Geisteszustände und folglich beeinflusst es unseren Charakter sowie die Kommunikation.
Lernen III
Bei Lernen III wird das durch Lernen II (also durch das Deutero-Lernen) Erlernte neu organisiert. Lernen III kommt äußert selten vor und gilt als die bewusste Beobachtung und Einsicht in den Modus Operandi des Geistes. Das Resultat dieser Lernweise ist laut Bateson eine psychotische Dekompensation (Nervenzusammenbruch) und kommt der Selbstzerstörung gleich. In manchen Fällen kann sie stattdessen aber auch zur “Erleuchtung” führen.
Lernen IV
Lernen IV ist die höchste und seltenste Stufe von Batesons Lerntheorie. Sie ist die Veränderung in Lernen III und kommt nur in der Wechselwirkung von Phylogenese (Stammesentwicklung) und Ontogenese (individuelle Entwicklung eines Lebewesens) vor.
Batesons Lerntheorie – Ein Potpuorri der Wissenschaften
Batesons Theorie zielt darauf ab, Ansätze verschiedenster Fachrichtungen einzubinden. Sowohl behavioristische und gestaltpsychologische Ansätze als auch (sozial)psychologische, soziologische und anthropologische Theorien zu integrieren.

Gregory Bateson hat den Prozess des Lernens grundsätzlich aus sehr naturwissenschaftlicher Sicht betrachtet. Lernen per se definierte er schlichtweg als Veränderung. So wie beispielsweise das Phänomen der Bewegung in der Physik als Veränderung gesehen werden kann.
Außerdem war Bateson der Überzeugung, dass Mensch und Umwelt gemeinsam einem großen Informationssystem angehören und wir Menschen uns instinktiv allen anderen Lebewesen auf irgendeine Weise verbunden fühlen.
Kurze Einführung in die Kybernetik
Wie bereits in der Einleitung dieses Blogs erwähnt, spielte Gregory Bateson ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Kybernetik . Er war es nämlich, der kybernetische Denkansätze in die Sozial- und Humanwissenschaften einführte.

Kybernetik entstand Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie war ein Resultat der Forschungen des amerikanischen Mathematikers und Philosophen Norbert Wiener. Dieser verglich das menschliche Nervensystem mit der mechanischen Feedbackschleife von Luftabwehrgeschützen. Durch eine automatische Rückmeldung lernt das System hierbei durch deren Auswertung und passt so das zukünftige Verhalten sowie die zukünftigen Reaktionen an. Hier erkennen wir also sowohl einen Informationsaustausch zwischen verschiedenen Systemen und einen internen Lernprozess.
In den 70er Jahren, wurde dieses Forschungsprojekt dann von den beiden NLP-Begründern Richard Bandler und John Grinder aufgefasst und weiterbearbeitet.
Gregory Bateson und NLP
Gregory Bateson und seine Theorien waren von großer Bedeutung für die Entstehung des NLP.
Worum es sich hierbei handelt, kannst du gerne in unserem Blog im Artikel Was ist NLP? nachlesen.
Wichtige Begründer sowie Vertreter des NLP waren stark von Batesons Arbeit geprägt. Speziell zu nennen sind hier der Autor und NLP-Trainer Robert B. Dilts sowie die NLP-Begründer John Grinder und Richard Bandler. Das erste NLP-Buch enthielt Batesons Meta-Modell. Für dieses Buch schrieb Bateson sogar ein Vorwort.
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