TrainerIn werden und erfolgreich sein

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Du möchtest Trainerin oder Trainer werden? Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Der Trainerberuf in der Erwachsenenbildung gehört zu den spannendsten und erfüllendsten Berufen, vor allem wenn du Trainer werden möchtest. Warum? Ganz einfach: Du arbeitest mit Menschen, genießt eine hohe Flexibilität und Eigenverantwortung, Menschen zahlen, um von dir zu lernen, und du entwickelst dich stetig weiter. Doch ist dieser Beruf auch wirklich das Richtige für dich? In diesem Artikel findest du alle Antworten auf deine Fragen zum Trainer werden!

Gibt es ein einheitliches Berufsbild?

Kurz gesagt: Nein! Denn Trainerin ist nicht gleich Trainerin. Es gibt zahlreiche Unterscheidungen, die sich in den unterschiedlichen Fachrichtungen sowie in den Auftragsverhältnissen widerspiegeln. So gibt es Fachtrainerinnen für Bereiche wie EDV, Sprachen, Technik, Recht oder Betriebswirtschaft, Lerntrainerinnen, Berufsorientierungstrainerinnen, Wirtschaftstrainerinnen oder auch Persönlichkeitstrainerinnen. Dazu kommt, dass man als Trainerin entweder fest in ein Unternehmen eingegliedert ist oder als freier Trainerin auf Auftragsbasis arbeitet. Auch eine Anbindung an Weiterbildungsinstitute oder eine nebenberufliche Tätigkeit sind möglich. So entstehen zahlreiche Varianten, die diesen Beruf so vielfältig machen.

Der Weg, um Trainer zu werden, ist von vielen Möglichkeiten geprägt. Egal, ob du in der Erwachsenenbildung oder in anderen Bereichen tätig werden möchtest, die richtige Ausbildung ist entscheidend, um erfolgreich Trainer zu werden.

Wie hat sich der Trainerberuf entwickelt?

Früher war es leichter, in der Branche Fuß zu fassen, da viele Projekte mit Fördergeldern finanziert wurden und es weniger Konkurrenz gab. Doch nach der Wirtschaftskrise wurden Bildungsbudgets gekürzt, AMS-Maßnahmen gingen zurück und einige Weiterbildungsangebote wie ECDL-Schulungen verloren an Bedeutung. Viele Trainerinnen mussten sich neu orientieren oder gaben den Beruf auf. Doch wie sieht die Situation heute aus? Trainerinnen zählen zu den neuen Selbstständigen und benötigen keinen Gewerbeschein. Das erleichtert den Einstieg, führt aber auch dazu, dass der Markt hart umkämpft ist. Wer sich nicht von der Masse abhebt, hat es schwer. Erfolg haben vor allem jene, die eine hohe Qualität und Expertise mitbringen und über eine fundierte Trainerausbildung verfügen. Besonders die Digitalisierung spielt eine große Rolle: Web-Seminare, MOOCs und digitales Lernen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Unternehmen setzen verstärkt auf digitale Weiterbildungen, wodurch sich neue Chancen für Trainer*innen ergeben.

Was tut man eigentlich als Trainer*in?

erwachsenenbildung.at, eine Plattform des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung fasst die Tätigkeiten von Trainern wie folgt zusammen:

  • Konzipieren, Designs entwickeln
  • Übungen, Methoden etc. (weiter)entwickeln
  • Führen/Leiten
  • Strukturieren
  • Moderieren von Diskussionsprozessen
  • Vortragen
  • Präsentieren
  • Präsentationen der TeilnehmerInnen beziehungsweise von Kleingruppen anleiten, moderieren
  • Aufgaben stellen/anleiten
  • Bewerten/Feedback erteilen beziehungsweise gestalten
  • Kleingruppen einteilen, anleiten, betreuen
  • Transfer sicherstellen
  • Reflexionen anleiten
  • Umgang mit Technik, Medien, Material etc.

Wer sind potentielle Auftraggeber von Trainer*innen?

Der BerufsInformationsComputer der Wirtschaftskammer sieht potentielle Tätigkeitsfelder von Trainer*innen hier:

  • Selbstständig/Freiberuflich
  • Weiterbildungsinstitutionen, Institutionen der Erwachsenenbildung
  • private Kurs- und Seminaranbieter
  • Arbeitsmarktservice (AMS)
  • Schulen, Universitäten
  • Beratungsunternehmen
  • Unternehmen aller Branchen

Welche Kompetenzen braucht ein Trainer?

Laut der Weiterbildungsakademie Österreich sind folgende Kompetenzen essenziell: Fachkompetenz, bildungstheoretische Kompetenz, soziale Kompetenz, personale Kompetenz, reflexive Kompetenz und didaktische Kompetenz. Doch auch wirtschaftliches Wissen ist wichtig. Neben der eigentlichen Trainingsdurchführung gehört es zum Job eines selbstständigen Trainers, sich um Angebotskalkulation, Steuern, Sozialversicherung, Marketing und Akquise zu kümmern. Wer diese Aspekte nicht beachtet, wird es schwer haben, sich erfolgreich am Markt zu etablieren.

Wie wird man als selbstständiger Trainer erfolgreich?

Der Erfolg als Trainer*in hängt nicht nur von der eigenen Fachkompetenz ab, sondern auch von der richtigen Positionierung und dem wirtschaftlichen Grundverständnis. Es ist wichtig, sich als Experte oder Expertin in einem bestimmten Bereich zu etablieren, sich ein starkes Netzwerk aufzubauen. Oftmals hört man in Gründungsworkshops und Marketinggrundschulungen vom Alleinstellungsmerkmal. Dieses ist natürlich auch für Trainer*innen in der Erwachsenenbildung von Relevanz:

  • Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?
  • In welchem Thema bist du Experte?
  • Welchen Mehrwert bringst du potentiellen Auftraggebern?

Diese Fragen solltest du wie aus der Pistole geschossen beantworten können. Schaffst du das (noch) nicht, dann gehe genau da hin und schärfe dein Profil nach.

 Zudem sollte man Aufgaben, die zu viel Zeit in Anspruch nehmen, auslagern und sich kontinuierlich weiterbilden. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist Geduld: Der Aufbau eines erfolgreichen Trainerbusiness dauert in der Regel drei bis fünf Jahre.

Worauf solltest du achten, um Trainer zu werden?

Anbieter von Trainerausbildungen und Train The Trainer Lehrgängen gibt es zahlreiche. Nicht immer sind aber das Wifi und das bfi die beste Wahl. Es gibt viele gute privat geführte Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, die den beiden oben genannten Institutionen um nichts nachstehen. Ganz im Gegenteil: Diese Anbieter punkten oftmals in puncto Durchführungsgarantie, Lernatmosphäre, individueller Betreuung, Flexibilität, Gruppengröße, etc.

Folgende Fragen solltest du dir vor deiner Entscheidung stellen:

  • Wer sind die Lehrtrainer? Wie viel Erfahrung bringen diese mit und wo konnten sie diese sammeln?
  • Was sind etwaige Zusatzleistungen?
  • Wie gut fühle ich mich vorab beraten und wirst du auch während der Ausbildung begleitet und auch danach?
  • Gibt es ausreichend Präsenzeinheiten, denn nur Übung macht den Meister?
  • Beträgt der Umfang der Ausbildung zumindest 160 UE? Diese Grenze ist die Untergrenze für eine fundierte Trainerausbildung. Da die Ausbildungen oftmals sehr variieren, verlangen öffentliche Einrichtungen und Unternehmen gerne Ausbildungen, die diesen Umfang übersteigen. Auch für eine Fachtrainer-Zertifizierung ist das die Untergrenze.
  • Gibt es glaubwürdige Referenzen? Findest du auch glaubwürdige Referenzen im Internet?
  • Kommen die Lehrgänge zustande?
  • Wie oft wurde der Lehrgang schon durchgeführt?
  • Ist die Bildungseinrichtung zertifiziert?
  • Ist der Lehrgang selbst zertifiziert beziehungsweise ermöglicht er dir eine spätere Zertifizierung?

Braucht man eine Zertifizierung zum Trainerin oder Trainer werden?

Je nachdem, wer deine potentiellen Auftraggeber sind, sind diese Zertifizierungen mehr oder weniger von Relevanz: Im öffentlichen Bereich ist eine Zertifizierung fast schon obligatorisch. Währenddessen kommt ihr im Business Bereich allerdings nur sehr selten eine Bedeutung zu.

Die beiden folgende Zertifizierungen sind die etabliertesten in Österreich:

ISO 17024 zertifizierter Fachtrainer

Diese Zertifizierung wird durch das Ablegen einer Prüfung erworben. Hierbei müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • abgeschlossene Trainerausbildung
  • Mindestalter 18 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • 2 Jahre Berufserfahrung auf Basis ≥20 Wochenstunden
  • Praxis als Trainer*in – mind. 8 Tage mit insg. mind. 64 Unterrichtseinheiten (UE)

Wichtig dabei ist, dass die Trainerausbildung selbst zur Zertifizierung berechtigt. Es muss alle 3 Jahre eine Rezertifizierung erfolgen. Es gibt außerdem einige Zertifizierungsstellen in Österreich, die diese Zertifizierung anbieten. Erste Anlaufstelle ist dabei sicherlich SystemCert.

wba zertifizierter/diplomierte Erwachsenenbildner*in

Die wba | Weiterbildungsakademie Österreich verfolgt dabei ein anderes Konzept. So werden bereits erworbene Qualifikationen einem definierten Qualifikationsprofil zugeordnet. So sind passende Nachweise beispielsweise:

  • Praxisnachweis(e) als Erwachsenenbildner*in
  • Matura-, Reifeprüfungszeugnis
  • Studienabschlusszeugnis, Nachweise absolvierter Studieninhalte
  • Bestätigungen/Zeugnisse von Seminaren/Lehrgängen zu Beratung, Training und Unterrichten, Management, Computerskills, Fremdsprachen, Gesprächsführung und eigene Supervision

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein höherer Schulabschluss. Falls keine Berufs- oder Schulausbildung vorliegt, besteht außerdem die Möglichkeit, ein Äquivalent einzubringen.

Das Qualifikationsprofil der wba umfasst zwei Niveaus (wba-Zertifikat und wba-Diplom). In Summe ist die wba Zertifizierung deutlich umfassender und damit auch aufwendiger. Dafür bietet aber auch schon der Zertifizierungsprozess an sich einen höheren Mehrwert als die ISO Zertifizierung. Letztere kann nämlich mit einer bloßen Prüfung erworben werden. Auch eine Rezertifizierung ist derzeit nicht notwendig.

Dadurch ist die ISO-Zertifizierung vermutlich für Jungtrainer*innen die spannendere Alternative und die wba Zertifizierung für Wissensvermittler*innen, die schon länger in diesem Bereich tätig sind und diverseste (Zusatz-)Qualifikationen erworben haben.

Zusammenfassung

Eine Trainerausbildung alleine reicht jedoch oftmals nicht aus, um sich als selbstständiger Trainer am Markt zu etablieren. In den meisten Fällen sind nämlich außerdem zusätzliches Expertenwissen und besondere Fähigkeiten beziehungsweise Erfahrung in einem bestimmten Bereich genauso wichtig. Wirtschaftliches Grundverständnis und keine Angst vor Akquise runden das Gesamtpaket dann außerdem noch weiter ab. Außerdem können aber auch Ausdauer und ein Quäntchen Glück nie schaden.
Als angestellte*r Trainer*in sieht die Sache dann allerdings schon wieder etwas anders aus. Denn hier kann man sich vollends auf die Kerntätigkeit, nämlich die Wissensvermittlung, konzentrieren. Man muss sich dabei keine Gedanken um Auftragslage, Preisgestaltung & Co. machen. Außerdem besteht hier meistens die Möglichkeit, zusätzliche Themenfelder zu erschließen und so erweitert man auch sein Tätigkeitsfeld.
Jedenfalls ist eine Trainerausbildung mit Sicherheit eine exzellente Basis, um in der Wissensvermittlung tätig zu werden. Auch als Zusatzqualifikation (z.B. Führungskräfte, etc.) macht diese Ausbildung absolut Sinn.

Autoren

Markus Frank-Schagerl

Markus Frank-Schagerl ist Gründer und Geschäftsführer von NEVEREST, ein erfahrener Trainer und Lehrgangsleiter, der komplexe Inhalte lebendig, praxisnah und interaktiv vermittelt – mit Schwerpunkten in Führung, Kommunikation, Sales und Erwachsenenbildung.

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